Mikrofon-Empfindlichkeit: Eine praktische Auswahlhilfe

Mikrofonführer mit hoher Empfindlichkeit vs. niedriger Empfindlichkeit
Vergleich der Mikrofonempfindlichkeit: hohe Empfindlichkeit im Fernfeld und niedrige Empfindlichkeit im Nahfeld

Was Sensibilität bedeutet, wie Sie den richtigen Wert für Ihr Produkt wählen und warum höher nicht immer besser ist.

Teil 1: Was ist die Mikrofon-Empfindlichkeit?

Definition: Die Empfindlichkeit gibt an, wie viel elektrische Leistung ein Mikrofon bei einem bestimmten Schalldruck erzeugt.

Standard-Testbedingungen: 1 kHz-Ton, 94 dB SPL (1 Pascal) - das entspricht ungefähr der Lautstärke eines normalen Gesprächs in 30 cm Entfernung.

Gemeinsame Einheiten: dBV/Pa oder mV/Pa

Eine Regel ist zu beachten: Höhere (weniger negative) Zahl = höhere Empfindlichkeit

  • -26 dBV/Pa (50 mV/Pa) → Hohe Empfindlichkeit
  • -38 dBV/Pa (12,6 mV/Pa) → MEDIUM-Empfindlichkeit
  • -50 dBV/Pa (3,2 mV/Pa) → GERINGE Empfindlichkeit

Betrachten Sie die Empfindlichkeit als den “Lautstärkeregler” des Mikrofons. Ein Mikrofon mit hoher Empfindlichkeit verwandelt leise Töne in verwertbare Signale. Aber es verwandelt auch laute Töne in Verzerrungen.

Teil 2: Die zwei wichtigsten Faktoren bei der Auswahl der Empfindlichkeit

Faktor 1: Entfernung zur Schallquelle (Fernfeld vs. Nahfeld)

Mit zunehmender Entfernung wird der Schall leiser. Eine normale Stimme in 10 cm Entfernung hat einen Schalldruckpegel von etwa 90 dB SPL. Die gleiche Stimme ist in 2 m Entfernung etwa 65 dB SPL - 25 dB leiser.

Auswirkung: Wenn Ihr Mikrofon den Ton aus großer Entfernung aufnehmen muss (Überwachungskamera, Sprachsteuerung im Raum), benötigen Sie höhere Empfindlichkeit. Wenn der Benutzer immer in der Nähe ist (Telefon, Headset), können Sie geringere Empfindlichkeit.

Faktor 2: Verfügt Ihr Produkt über einen eingebauten Lautsprecher?

Dies ist der häufigste Fehler, den wir beobachten. Ingenieure wählen ein Mikrofon mit hoher Empfindlichkeit, weil sie eine “gute Aufnahme” wünschen, und vergessen dabei, dass der Lautsprecher ihres eigenen Produkts nur 1-10 cm vom Mikrofon entfernt ist.

Das Problem: Der nahe Lautsprecher erzeugt 100-110 dB SPL am Mikrofon - viel lauter als die Stimme des Benutzers aus 50 cm Entfernung. Ein hochempfindliches Mikrofon wird gesättigt, verursacht ein Echo oder beginnt zu heulen.

Auswirkung: Wenn Ihr Produkt über einen Lautsprecher verfügt (Smartphone, Smartwatch, Smart Speaker, Walkie-Talkie, Tablet), benötigen Sie geringere Empfindlichkeit - oft viel niedriger als man denkt.

Teil 3: Hohe Empfindlichkeit vs. niedrige Empfindlichkeit - Wann wird welche verwendet?

Wann ist eine hohe Empfindlichkeit zu wählen (-22 bis -35 dBV/Pa)?

Ihr Produkt sieht folgendermaßen aus:

  • Sicherheitskamera, Babyphone, Glasbruchmelder
  • Fernfeld-Sprachsteuerungsmodul (für einen Fernseher oder eine Set-Top-Box mit separatem Lautsprecher)
  • Mikrofon im Konferenzraum (Decke oder Tisch, 2-3 Meter von den Lautsprechern entfernt)
  • Aufnahmegerät für ruhige Umgebungen

Warum hohe Empfindlichkeit: Die Schallquelle ist weit entfernt. Ein Mikrofon mit geringer Empfindlichkeit würde bei einer Stimme aus 3 Metern Entfernung nur 1-2 mV ausgeben - das geht im Rauschen des ADC oder Verstärkers unter. Eine hohe Empfindlichkeit bringt dieses schwache Signal auf einen brauchbaren Pegel.

Typische Richtcharakteristik: Omnidirektional (man weiß aus der Entfernung nicht, aus welcher Richtung der Schall kommt)

Worauf Sie achten sollten: Mikrofone mit hoher Empfindlichkeit haben einen niedrigeren maximalen Schalldruckpegel (normalerweise ≤110 dB). Halten Sie sie von lauten Lautsprechern fern.

Wann ist eine niedrige Empfindlichkeit zu wählen (-42 bis -55 dBV/Pa)?

Ihr Produkt sieht folgendermaßen aus:

  • Smartphone (insbesondere für den Freisprechmodus)
  • Intelligenter Lautsprecher mit integrierter Musikwiedergabe
  • Smartwatch oder Wearable für Kinder
  • Walkie-Talkie oder Zwei-Wege-Funkgerät (Mund sehr nah am Mikrofon)
  • Freisprechanlage fürs Auto
  • Jedes Gerät, bei dem sich ein Lautsprecher in einem Abstand von weniger als 10 cm zum Mikrofon befindet

Warum geringe Empfindlichkeit: Die Nähe des Lautsprechers oder des Mundes erzeugt einen sehr hohen Schalldruckpegel am Mikrofon. Eine niedrige Empfindlichkeit verhindert ADC-Sättigung, Echokompensationsfehler und Heulen. Sie verlieren ein paar dB an Fernfeldabnahme, aber Ihr Produkt funktioniert tatsächlich im realen Einsatz.

Typische Richtcharakteristik: Häufig immer noch omnidirektional, aber einige Designs verwenden unidirektional, um die Lautsprecherrichtung zu verwerfen

Wann sollte die Empfindlichkeit MEDIUM gewählt werden (-35 bis -42 dBV/Pa)?

Ihr Produkt sieht folgendermaßen aus:

  • Traditioneller Telefonhörer
  • Bluetooth-Headset (nicht im Freisprechmodus)
  • Computermikrofon (Laptop intern)
  • Sprachfernbedienung (TV-Fernbedienung mit Mikrofon)

Warum mittlere Empfindlichkeit: Der Benutzer befindet sich in der Nähe (5-20 cm), aber es gibt keinen leistungsstarken eingebauten Lautsprecher, der konkurriert. Dies ist der “sichere Mittelbereich”, der für viele Sprachkommunikationsprodukte geeignet ist.

Teil 4: Reale Produktbeispiele - Schätzungen der Industrie

Haftungsausschluss: Die nachstehenden Werte sind ungefähre Werte, die auf öffentlichen Teardowns, akustischen Analysen und Referenzdesigns der Industrie basieren. Tatsächliche Implementierungen variieren je nach Produktgeneration und akustischer Architektur.

ProduktkategorieHat einen eigenen Lautsprecher?Geschätzter EmpfindlichkeitsbereichEntwurfsbegründung
Sicherheitskamera (z. B. Arlo, Geräte der Ring-Klasse)Nein (oder sehr kleiner Piepser)-26 bis -30 dBV/PaMuss Stimmen aus einer Entfernung von 3-5 Metern aufnehmen
Fernfeld-Smart-Lautsprecher (erste Generation, eingeschränkte Wiedergabe)Kein externer Hochleistungslautsprecher-30 bis -35 dBV/PaOptimiert für die Wake-Word-Erkennung auf Distanz
Intelligenter Lautsprecher mit integrierter Musikwiedergabe (Geräte der Echo-Klasse)Ja, leistungsstarker Lautsprecher in der Nähe des Mikrofons-42 bis -48 dBV/PaGeringere Empfindlichkeit verhindert, dass die Musik das Mikrofon sättigt
Internes Mikrofon des Smartphones (normaler Anruf und Freisprecheinrichtung)Ja (Ohrhörer und unterer Lautsprecher)-38 bis -42 dBV/PaAusbalanciert für Nahfeldsprache und Echounterdrückung
Smartwatch / Wearable für Kinder (Geräte der Gizmo- Klasse)Ja, extrem nah (3-8 mm)-50 bis -55 dBV/PaDer Abstand zwischen Sprecher und Mikrofon ist winzig - Heulvermeidung
Walkie-Talkie / Zwei-Wege-FunkgerätJa (Hörerlautsprecher)-50 bis -60 dBV/PaDer Mund ist 2-5 cm entfernt, der Lautsprecher ebenfalls sehr nah
TV-SprachfernbedienungNein (TV-Lautsprecher ist separat)-32 bis -38 dBV/PaDer Benutzer hält die Fernbedienung in die Nähe des Mundes, benötigt aber eine gewisse Reichweite

Teil 5: Das “Mein Produkt hat einen Lautsprecher”-Problem - ein tieferer Blick

Dies verdient einen eigenen Abschnitt, denn es ist der #1 Grund, warum Kunden zu Teilen mit geringerer Empfindlichkeit zurückkehren.

Das Szenario: Sie entwerfen ein Produkt, das sowohl ein Mikrofon als auch einen Lautsprecher in demselben Gehäuse hat. Beispiele: ein Smart Speaker, ein Smartphone, eine Smartwatch, ein Kindertablet, ein Zwei-Wege-Radio, ein Bluetooth-Lautsprecher mit Mikrofon.

Der falsche Instinkt: “Ich möchte, dass das Mikrofon die Stimme des Benutzers gut aufnimmt, also wähle ich ein Mikrofon mit hoher Empfindlichkeit”.”

Was tatsächlich geschieht:

  • Der Lautsprecher ist 1-15 cm vom Mikrofon entfernt
  • Bei moderater Lautstärke erzeugt der Lautsprecher 95-110 dB SPL am Mikrofon
  • Der Mund des Benutzers ist 30-100 cm entfernt und erzeugt 60-80 dB SPL am Mikrofon
  • Der Lautsprecher ist am Mikrofon 20-40 dB lauter als die Stimme des Benutzers

Die Fehlerarten:

  • Echo: Der Anrufer auf der Gegenseite hört seine eigene Stimme verzögert
  • Heulen: Wenn der Benutzer die Lautstärke erhöht, überschreitet die Schleifenverstärkung 1 → anhaltendes Quietschen
  • Sättigung: Der ADC nimmt laute Musik oder Sprache aus dem Lautsprecher auf
  • Wake word failure: Der Sprachassistent kann das Weckwort nicht über seine eigene Musik hören

Die Lösung (bewährte Praxis der Branche):

  • Beginnen Sie mit einer Empfindlichkeit, die Ihnen zu niedrig - typischerweise -45 bis -50 dBV/Pa
  • Wenn Ihre Echounterdrückung stark ist, können Sie ein paar dB höher gehen.
  • Gehen Sie niemals davon aus, dass ein “Standard”-Mikrofon mit -38 dBV/Pa in einem Lautsprecherprodukt funktioniert.

Teil 6: Häufige Fehler

Irrtum 1: “Eine höhere Empfindlichkeit ist besser, weil sie mehr Schall aufnimmt.”

Warum falsch: Eine höhere Empfindlichkeit nimmt auch mehr Geräusche auf, ist bei lauten Tönen gesättigt und hat einen niedrigeren maximalen Schalldruckpegel. Ein Produkt, das in einem ruhigen Labor gut funktioniert, kann in einem Auto, in der Nähe eines Lautsprechers oder in einer Menschenmenge versagen.

Fehler 2: “Wenn das Mikrofon zu leise ist, verwende ich einfach die digitale Verstärkung”.”

Warum falsch: Die digitale Verstärkung verstärkt das Rauschen um den gleichen Betrag wie das Signal. Sie können keinen SNR wiederherstellen, der im analogen Bereich verloren gegangen ist. Wenn Ihr Mikrofonausgang im Rauschbereich des ADC liegt, kann keine noch so große digitale Verstärkung das Problem beheben.

Fehler 3: “Meine Echounterdrückung ist gut, also kann ich ein hochempfindliches Mikrofon verwenden”.”

Warum falsch: Echokompensatoren haben einen begrenzten Dynamikbereich. Wenn der Lautsprecher den Ausgang des Mikrofons oder den ADC-Eingang sättigt, kann kein Algorithmus die Linearität wiederherstellen. Sie müssen die Sättigung in der Hardware verhindern.

Irrtum 4: “Das gleiche Mikrofon funktioniert für alle meine Produkte”.”

Warum falsch: Ein Mikrofon, das in einer Überwachungskamera (Fernfeld, kein Lautsprecher) perfekt funktioniert, heult in einer Smartwatch sofort auf. Die Auswahl der Empfindlichkeit ist produktspezifisch.

Teil 7: Ein Hinweis auf die Richtcharakteristik (Kugelcharakteristik vs. Unidirektional)

Empfindlichkeit und Richtcharakteristik sind getrennte Spezifikationen, die jedoch bei realen Produkten zusammenwirken.

  • Mikrofone mit Kugelcharakteristik: Nimmt Schall aus allen Richtungen gleichmäßig auf. Am besten geeignet für Fernfeldanwendungen, bei denen Sie die Schallrichtung nicht kennen. Die meisten ECM- und MEMS-Mikrofone sind omnidirektional.
  • Unidirektionale Mikrofone: Unterdrückung von Geräuschen von hinten. Nützlich, wenn Sie die Schallrichtung kennen (z. B. den Mund des Benutzers) und Geräusche oder einen Lautsprecher ausblenden möchten. Haben oft eine etwas geringere Empfindlichkeit bei gleicher Membrangröße.

Empfehlung für die meisten Produkte: Beginnen Sie mit einem Rundstrahler. Sie ist einfacher, billiger und funktioniert gut, wenn die Empfindlichkeit richtig eingestellt ist. Gehen Sie nur dann zu unidirektional über, wenn Sie eine bestimmte Anforderung an die Rückkopplung haben (z. B. ein lauter Ventilator hinter dem Mikrofon).

Teil 8: Checkliste für die Auswahl der Sensitivität

Gehen Sie diese Checkliste durch, bevor Sie Ihre Mikrofonstückliste fertigstellen.

  1. Wie groß ist der typische Abstand zwischen dem Mund des Benutzers und dem Mikrofon?
    - Wenn >1 Meter → hohe Empfindlichkeit (-26 bis -32 dBV/Pa)
    - Wenn 15-50 cm → mittlere Empfindlichkeit (-35 bis -42 dBV/Pa)
    - Wenn <10 cm → geringe Empfindlichkeit (-42 bis -55 dBV/Pa)
  2. Verfügt Ihr Produkt über einen eingebauten Lautsprecher?
    - Wenn JA, und der Lautsprecher ist weniger als 10 cm vom Mikrofon entfernt → ziehen Sie 5-10 dB von Ihrer ursprünglichen Schätzung der Empfindlichkeit ab
    - Für Smartwatches oder sehr kompakte Geräte → Start bei -50 dBV/Pa oder niedriger
  3. Wie hoch ist die maximale Eingangsspannung Ihres ADCs oder Vorverstärkers?
    - Berechnung der erwarteten Leistung bei maximalem SPL (Lautsprecher oder Schrei)
    - 6-12 dB Spielraum lassen
  4. Benötigen Sie eine enge Anpassung für ein Mikrofonarray?
    - Für 2+ Mikrofone, Toleranz ≤ ±1 dB angeben (MEMS empfohlen)

Die wichtigste Erkenntnis aus diesem Leitfaden:
Wenn Ihr Produkt über einen eigenen Lautsprecher im Umkreis von 10 cm um das Mikrofon verfügt, verwenden Sie kein hochempfindliches Mikrofon. Beginnen Sie mit einem niedrigen Wert (-45 dBV/Pa oder niedriger) und testen Sie nach oben.

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